Titlis Tower

Standort Engelber, Schweiz | Architekt Herzog & De Meuron | Fertigstellung 2026

Lizenzierung & Veröffentlichungen von Bildern auf Anfrage

Manchmal dauert es ein paar Jahre, bis sich der Kreis schließt.

Als ich 2019 erstmals vom neuen Titlis Tower von Herzog & de Meuron im Schweizer Hochgebirge las, war ich sofort fasziniert. Die Revitalisierung einer bestehenden Bergstation, kombiniert mit der einmaligen Architektursprache des Architekturbüros und der dramatischen Landschaft der Alpen, trifft genau den Kern dessen, was mich an Architektur interessiert: das Spannungsfeld zwischen extremer Natur, technischer Herausforderung und zeitgenössischem Design.

Der Titlis Tower ist eine große Inspirationen für mein Langzeitprojekt MODERN ALPINE ARCHITECTURE – eine fotografische Dokumentation moderner Architektur in den Alpen. Über die vergangenen Jahre führte mich dieses Projekt zu abgelegenen Berghütten, futuristischen Museen und extremen Aufnahmebedingungen zwischen Gletschern, Kletterpartien und klirrend kalten Nächten unter dem Sternenhimmel. Die Serie sorgte international für Veröffentlichungen und Auszeichnungen bei Architektur- und Fotowettbewerben und prägte meinen fotografischen Blick auf abgelegene Architektur nachhaltig.

Sieben Jahre später schließt sich der Kreis: Der deutsch-französische Fernsehsender ARTE begleitete mich im Rahmen einer Dokumentation über moderne Architektur in den Alpen bei der fotografischen Arbeit am Titlis Tower. Gemeinsam mit meinem Assistenten Marcus verbrachte ich zwei Nächte auf über 3.000 Metern Höhe direkt auf der Baustelle der neuen Titlis-Bergstation, um das Gebäude unter ständig wechselnden Wetterbedingungen in eindrucksvollen Nachtaufnahmen festzuhalten.

So fanden wir uns einen Monat vor der offiziellen Eröffnung erneut auf einer Schweizer Bergspitze wieder – zwischen Nebel, Eis, Baustellenlicht und einem der faszinierendsten Architekturprojekte der Alpen.

Architekturkonzept des Titlis Tower von Herzog & de Meuron

Mit dem Titlis Tower und der zukünftigen Neugestaltung der Bergstation entwickeln Herzog & de Meuron gemeinsam mit den Titlis Bergbahnen eine neue Generation alpiner Infrastruktur. Das Projekt versteht sich nicht nur als funktionale Erweiterung eines touristischen Hotspots auf über 3.000 Metern Höhe, sondern als architektonische Neuinterpretation des Hochgebirges selbst. Ausgangspunkt des Projekts war die Erkenntnis, dass die bestehende Bergstation aus den 1960er Jahren den heutigen Besucherströmen und Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Statt einer rein technischen Modernisierung entstand ein umfassender Masterplan, der die Erschließung, Orientierung und räumliche Erfahrung des Gipfels grundlegend neu denkt.

Im Zentrum der ersten Bauphase steht der ehemalige Richtstrahlturm der Schweizer Post aus den 1980er Jahren. Herzog & de Meuron transformieren die bestehende Stahlstruktur durch zwei horizontal eingeschobene, verglaste Baukörper zu einer markanten kreuzförmigen Figur, die weithin sichtbar über dem Gletscher schwebt. Der ehemalige Infrastrukturbau wird dadurch zu einem öffentlichen Erlebnisraum mit Restaurant, Bar, Ausstellungsflächen und Aussichtsplattform. Besonders spannend ist dabei die vertikale Erschließung des Gebäudes. Zusätzliche Trag- und Erschließungsstrukturen integrieren Aufzüge und Treppen direkt in die bestehende Stahlkonstruktion und verbinden den Turm über einen unterirdischen Tunnel wettergeschützt mit der neuen Bergstation. Dadurch entsteht ein Architekturprojekt, das trotz seiner extremen Lage eine erstaunlich klare räumliche Orientierung bietet.

Auch die zukünftige Bergstation folgt diesem Gedanken. Herzog & de Meuron beschreiben das Gebäude als einen „flachen Kristall“, der aus dem Felsen herauswächst und sich nahezu selbstverständlich in die alpine Topografie integriert. Großzügige Glasflächen, offene Stahltragwerke und neue Panoramawege schaffen dabei bewusst eine stärkere Verbindung zwischen Innenraum und Landschaft. Architektur wird hier nicht als Schutz vor der Natur verstanden, sondern als Plattform, um die gewaltige Umgebung intensiver wahrzunehmen.

Gleichzeitig spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle innerhalb des Projekts. Trotz deutlich größerer Nutzflächen sollen Energieverbrauch und CO₂-Emissionen massiv reduziert werden. Die neue Infrastruktur wird vollständig fossilfrei betrieben und nutzt passive solare Gewinne durch die großflächigen Verglasungen. Gerade im sensiblen Hochgebirge wird Architektur damit nicht nur zum ästhetischen Statement, sondern auch zur langfristigen Zukunftssicherung touristischer Infrastruktur in extremen Klimazonen.

Zwischen Eis, Nebel und Baustelle

Aus mehreren Dutzend Fotoprojekten im Hochgebirge weiß ich, wie viele Herausforderungen die Dokumentation eines Gebäudes unter solch extremen Bedingungen mit sich bringt. Um die Chancen auf ausdrucksstarke Bilder zu erhöhen, entschieden wir uns, zwei Nächte direkt auf dem Berg zu verbringen.

Nach zehn Stunden Autofahrt und über 3.000 Metern Höhenunterschied erreichten wir mit vollen Rucksäcken und der letzten Seilbahn die Gipfelstation des Titlis. Direkt nach einer Sicherheitsunterweisung machten wir uns an die erste Objektbegehung. Das Bauprojekt befindet sich auf einem kleinen Plateau, begrenzt von einer mehrere hundert Meter steil abfallenden Felswand auf der einen Seite und dem Gletscher mit seinen Skipisten auf der anderen. Bei aller Schönheit birgt dieses Terrain zahlreiche Gefahren. Zusätzlich zum regulären Baustellenbetrieb mit Baggern und Kränen kann es jederzeit zu Lawinen oder Steinschlag kommen. Abseits der Pisten lauern Gletscherspalten, und auch die Pistenraupen mit ihren gespannten Zugseilen muss man ständig im Blick behalten.

Deshalb starteten wir zunächst mit einem Drohnenrundflug, um uns einen schnellen Überblick über mögliche Aufnahmeorte zu verschaffen. Die Sonne kämpfte an diesem späten Nachmittag immer wieder gegen einen Strom dichter Wolken, der aus dem Tal nach oben gedrückt wurde und um den Turm herumströmte. Die meiste Zeit blieb der Titlis Tower bis auf wenige Meter Entfernung unsichtbar. Nur aus der Vogelperspektive ließ sich das Gebäude für kurze Momente aus seiner Umgebung herauslösen.

Titlis Tower von Herzog & De Meuron Nachtaufnahme am Gletscher

Nachtfotografie am Titlis

Die Entscheidung für die Aufnahmeorte der ersten Nachtaufnahmen war schnell getroffen. Die große ARCA-SWISS Fachkamera mit digitalem Hasselblad-Rückteil positionierten wir nur wenige Meter vom Turm entfernt, falls die Sicht schlecht bleiben sollte. Die zweite Kamera trugen wir, ausgestattet mit Schneeschuhen, mehrere hundert Meter entlang des Gipfelgrats zu einer weiteren Perspektive.

Es gab nur ein Problem: die Sicht.

Durch die dichten Wolken war vom Grat aus weder der Turm noch irgendeine andere Struktur zu erkennen, auf die ich meine Hasselblad X2D II mit dem XCD 38V Objektiv fokussieren konnten. Über eine Stunde harrten wir im eisigen Nebel aus, bis sich die Wolken nach Sonnenuntergang endlich langsam absenkten und die Sicht wieder freigaben. Vollständig durchgefroren machten wir uns in der Dämmerung auf den Rückweg, während die beiden Kameras weiterhin alle 90 Sekunden automatisch eine Aufnahme erstellten. Um 02:00 Uhr nachts stand die Milchstraße schließlich exakt hinter dem Titlis Tower. Gleichzeitig hatten sich die Wolken vollständig verzogen. Ich startete meine DJI Mavic 4 Drohne in den dunklen Nachthimmel hinein und nutzte sie, um den Turm gezielt mit Lichtakzenten zu beleuchten.

An Schlaf war danach nicht mehr zu denken. Stattdessen blieben wir bis zur Dämmerung gegen 05:00 Uhr wach und schlossen weitere Drohnenflüge an, während die alpine Landschaft langsam in ein sanftes blaues Licht getaucht wurde. Die Zeit kurz vor Sonnenaufgang ist mit Abstand mein liebstes Aufnahmefenstern. Licht und Schatten sind weich und diffus, aber dennoch klar definiert. Gleichzeitig spiegelt sich das erste Morgenrot am Horizont in den Glasflächen des Turms und lässt das Gebäude warm aufleuchten. Es ist ein besonderes Gefühl, einen solchen Ort ganz für sich allein zu haben. Mit einer heißen Ovomaltine in der Hand warteten wir schließlich darauf, dass die Sonne exakt zwischen der Bergspitze des Titlis und dem Turm aufging, bevor wir uns für die Datensicherung und ein paar Stunden Schlaf mit der ersten Gondel wieder auf den Weg ins Tal machten.

Fernsehproduktion mit ARTE

Am Nachmittag trafen wir uns mit dem Kameramann und der Redakteurin von ARTE für den Filmdreh zur Reportage über moderne Architektur in den Alpen. Mit größerer Crew dauern die Aufnahmen erfahrungsgemäß deutlich länger, gleichzeitig entstehen aber spannende Einblicke in den fotografischen Arbeitsprozess.

Interessiert filmt der Kameramann, wie ich die ARCA-SWISS Pico mit einem Rodenstock 32mm HR Objektiv und dem digitalen Hasselblad CFV 100C Mittelformat-Rückteil mit 100 Megapixeln Auflösung verbinde und auf meinem ultrastabilen Gitzo Systematic Stativ aufbaue. Über das iPad kontrolliere ich die Komposition jeder Aufnahme, bevor ich das Bild über den Auslöser am Objektiv aufnehme.

Für die Nachtaufnahmen entschieden wir uns diesmal für einen großen Felsen, der etwa einen Kilometer entfernt von der Seilbahn die Skipisten voneinander trennt. Auch wenn der fast 50 Meter hohe Titlis Tower kein kleines Gebäude ist, reduziert die gewaltige alpine Landschaft jedes von Menschen geschaffene Objekt beinahe zur Miniatur, sobald man es in Relation zur Umgebung betrachtet. Genau dieser Kontrast bildet die Grundlage des Motivs. Im Vordergrund führt eine Skipiste den Betrachter zum neuen Titlis Tower, während dahinter die Silhouette der Seilbahnstation sichtbar ist. Dominiert wird die Szene jedoch von der schroffen Felswand, die über Jahrtausende hinweg geformt wurde. Architektur und Infrastruktur erscheinen hier wie eine Spielzeuglandschaft innerhalb einer viel größeren geologischen Dimension.

Auch an diesem Abend warten wir ungeduldig darauf, dass sich die Wolken für wenige Minuten öffnen. Währenddessen erstellte ich mehrere Schwarzweiß-Langzeitbelichtungen, welche die Bewegung der Wolkenformationen dynamisch sichtbar machen. An einen sternenklaren Himmel ist an diesem Abend allerdings wieder nicht zu denken. Um 21:00 Uhr beenden wir die Filmaufnahmen und machen uns auf den Rückweg zu einer zweiten Nacht in der leeren Seilbahnstation.

Am nächsten Morgen um 05:00 Uhr ist der Himmel endlich wieder frei. Meine Drohne surrt über den großen Felsblock hinweg und setzt ihn mit Licht von oben gezielt in Szene, um mehr seiner Struktur herauszuarbeiten. Die letzte Aufnahme ist im Kasten. Müde und zugleich etwas wehmütig packen wir unser Equipment zusammen. Auch wenn bereits einige starke Aufnahmen entstanden sind, befindet sich der Titlis Tower noch immer im Bau und ist noch nicht vollständig fertiggestellt. Besonders freue ich mich darauf, eines Tages das neue Restaurant und die Ausstellungsflächen der kreuzförmigen Plattformen in der Abenddämmerung leuchten zu sehen.

Bis dahin treibt mich meine Faszination für Architektur an abgelegenen Orten weiter von einem Projekt zum nächsten. Der Titlis Tower war dabei nicht nur eine fotografische Dokumentation, sondern auch die Rückkehr zu einem Ort, der meine Arbeit über viele Jahre hinweg inspiriert hat. Wir wünschen der Titlis Bergbahn eine erfolgreiche Eröffnung des neuen Titlis Towers am 30.05.2026.

Einen großen Dank für meinen treuen Freund und Assistenten Marcus für seine Arbeit unter harten Bedingungen und die vielen Aufnahmen hinter den Kulissen der Produktion!

Ausrüstung

Kamera 1

Kamera 2

Objektiv 1

Objektiv 2

Objektiv 3

Stativ

Drohne 2

Software

Albrecht Voss bei Architekturfotografie am Titlis Tower in Engelberg Schweiz

Fernseh-Reportage & Lizenzierung

Sie möchten die ARTE-Dokumentation über moderne Architektur in den Alpen nicht verpassen? Dann melden Sie sich jetzt für meinen monatlichen Newsletter an. Dort erhalten Sie neben einem wechselnden Bildschirmhintergrund für Ihren Computer auch als Erste die Informationen zum Ausstrahlungstermin der Reportage.

Alle Bilder und Videos dieses Projekts stehen für kommerzielle Lizenzierungen in den Bereichen Publikationen, redaktionelle Nutzung und Markenkommunikation zur Verfügung.

Kontakt für Anfragen

info@albrechtvoss.com

Titlits Tower in Engelberg im Morgengrauen
Albrecht Voss Architekturfotograf in den Alpen

KONTAKT

KONTAKT

Sie haben ein Projekt, das besondere Bilder verdient?

Dann kontaktieren Sie mich gerne persönlich:

Zurück
Zurück

Adina Hotel Genf

Weiter
Weiter

KohleWelt Oelsnitz