Eisige Architekturfotografie am Tor zum Erzgebirge.

Es war mir ein großes Vergnügen die formschöne Umsetzung des Bundesexzellenzclusters MERGE der Technischen Universität Chemnitz fotografieren zu dürfen. Das Design aus der Feder des anerkannten Architektubüros SWECO bietet dem Leichtbautechnologiezentrum der TU Chemnitz ein neues Zuhause. Der Fokus meines Fotoauftrages war der zweite Bauabschnitt mit den Verwaltungsräumlichkeiten als Erweiterung auf der Südseite der Versuchs- und Forschungsstrecken des Campus, die bereits 2015 abgeschlossen wurden.

Chemnitz im Morgenfrost

Es war der erste kalte Wintertag Ende November, als ich mich auf den Weg zur Technischen Universität nach Chemnitz machte. Voller Vorfreude auf das Fotoshooting für den 2. Bauabschnitt des MERGE fuhr ich bei frischen -4°C und unter klarem Himmel der Morgendämmerung entgegen. Mit jedem Kilometer, dem ich mich dem „Tor zum Erzgebirge“ nährte, veränderte sich die Landschaft mehr zu einem monochromen Abbild ihrer selbst. Überdeckt von einer zarten Schicht aus Raureif glitzerten die Halme der Gräser in meinem Scheinwerferlicht.

Mit den ersten Sonnenstrahlen, die auf die Südfassade des Neubaus fielen, stand meine Kamera auf ihrem Stativ und fror das erste Motiv des Tages ein. Bei den niedrigen Temperaturen gepaart mit 90% Luftfeuchtigkeit fror jedoch nicht nur das Bild ein, sondern auch, trotz der dicken Winterkleidung, meine Hände. Stachen die Nerven anfänglich noch wie feine Nadelstiche, ergab sich nach 20 Minuten ein Taubheitsgefühl in den Händen, dass die schmerzenden Gelenke übertünchte. Die Aufnahme konnte also weitergehen.

Der allgegenwärtige Frost verleiht den Motiven Klarheit. Der massige Baukörper erhält durch die zarten natürlichen Strukturen um ihn herum eine gewisse Fragilität. Mit einem klaren Farbkontrast lenkt das orange Sonnenlicht die Aufmerksamkeit des Betrachters direkt auf die wunderschöne Architektur.

Welche Rolle das Wetter in der Architekturfotografie spielt können Sie übrigens in meinem Beitrag „Das beste Wetter für Architekturfotos“ lesen.

Interieurfotografie im MERGE

Nach einer kalten Stunde der Außenaufnahmen freute ich mich sehr, als ich im warmen Interieur wieder ein Gespür für meine Finger erhielt. Wie eine aufgehende Sonne begrüßt das große Foyer seine Gäste mit einem intensivem gelb an der Wand. Die klaren kubischen Strukturen des Exterieurs führen sich auch im Innenraum fort. Als Architekturfotograf waren für mich besonders die Sichtachsen spannend, die sich aus dem Oberfenster im ersten Stock auf das Foyer ergeben.

Die gelbe Farbe setzt sich als Akzent auch durch die öffentlichen Räume des Verwaltungsgebäudes fort. Im Foto des Treppenhauses ergibt sich dadurch sowohl farblich, als auch strukturell ein schöner Kontrast mit dem rauen Sichtbeton. Die Person im Zentrum des Architekturfotos gibt eine Relation für die Höhe des Treppenhauses und bildet einen schönen Anker für den Blick des Betrachters. Auf Grund von COVID-19 waren die meisten Mitarbeiter der Universität im Home Office, weshalb ich bei einigen Motiven Fotograf und Model zugleich war.

Von orange zu blau - Exterieurfotografie am Abend

Zum Ende des Tages offenbarte das Gebäude eine weitere Besonderheit seines Standortes. Durch den erhöhten Baugrund und einer weiten Freifläche im Südwesten des TU MERGE wird das Haus bis zu den letzten Sonnenstrahlen der untergehenden Sonne beleuchtet. Eine Seltenheit für ein Gebäude im urbanen Raum!

Mit der tief stehenden Sonne ergeben sich lange, dunkle Schatten gepaart mit gold glänzendem Licht auf der Wings Professional Fassade von WAREMA. Die permeablen Metall-Lamellen lassen, je nach Bedarf, unterschiedlich viel Licht in das Gebäude. Auf dem Architekturfoto ergibt sich durch die Insel aus geschlossenen Lamellen eine spannende abstrakte Geometrie.

Der Fotoauftrag von SWECO endete mit der frühen Dämmerung schon am Nachmittag. Die beruhigenden Abendmotive bedurften nochmals einiges an Aufwand. Da die Lichter im 2. Bauabschnitt über Bewegungsmelder gesteuert werden und sich alle 5 Minuten ausschalten hieß es noch ein Treppentraining einzulegen um für ausreichend Beleuchtung zu sorgen. Mit dem schwächer werdenden Tageslicht öffnet sich das sonst verschlossene Gefühl der Westfassade und lässt einen Blick auf die Küchen und Konferenzräume des neuen Bauabschnitts zu. Auch der große Brückenkran lässt sich nun durch das milchige Glas der Forschungsstrecke erahnen.

Das Forschungszentrum TU MERGE in Chemnitz ist eine spannende Kombination aus funktionalem Industriegebäude und formschönen Designobjekt mit klaren kubischen Formen und Farben. Für mich als Architekturfotograf ergab sich damit eine unendliche Menge an spannenden Kompositionen, die es zu erkunden galt. Vielen Dank an SWECO Architekten für diese tolle Fotoproduktion.


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Was dahinter steckt

Die Komposition im Foyer des MERGE der TU Chemnitz zu finden war nicht schwer. Mit den klaren Kanten und Oberflächen gibt der Raum dem Architekturfotografen klare Anweisungen, wie er fotografiert werden möchte. Da das Forschungszentrum gerade erst bezogen wurde, gab es beim Staging keine großen Herausforderungen. Ein paar Info- und Desinfektionsständer wurden beseitigt. Die Sitzgruppen habe ich für das Bild so umgestellt, dass sie den Boden angenehm ausfüllen. In der Bildbearbeitung habe ich den Gelbton korrigiert und auf einen konsistenten Ton für das gesamte Gebäude angepasst. Hier verfälscht die Mischung aus Kunst- und Tageslicht fast immer die Farben, welche die Kamera aufnimmt. Zu guter Letzt habe ich die Kontraste im Bild noch mehr betont und das Blau des Fensterlichtes aus dem grauen Beton entfernt. So entsteht ein konsistenter Stil für alle Interieur Architekturfotos des Projektes.


Zum Fotoshooting


Kunde: SWECO Architekten
Art: Fotostrecke eines abgeschlossenen Bauprojektes
Location: Bundesexzellenzcluster MERGE der Technischen Universität Chemnitz
Ort: Chemnitz (Sachsen), Deutschland