Hasselblad X2D II:

Moderne Architektur in Mitteldeutschland

Standort Deutschland Kunde Hasselblad Produktion 2025

Wie kann sich eine reine Fotokamera im Jahr 2025 noch weiterentwickeln? Während viele Hersteller versuchen, ihre Modelle mit immer neuen Videofunktionen aufzurüsten scheint der Bereich der Fotografie technologisch auf einem Plateau angekommen zu sein. Wer fotografiert, bekommt seit Jahren kaum noch echte Innovationen geboten. Was sollte also eine neue Version der Hasselblad X2D - eine der besten Fotokameras der Welt - eigentlich noch verbessern? In meiner Arbeit als Architekturfotograf fehlte mir nichts: unglaubliche Bildqualität, robuste Bauweise, elegantes Handling und eine der intuitivsten Benutzeroberflächen, die ich je erlebt habe. Also: Was macht ein Hersteller wie Hasselblad, wenn er keine Schlagzeilen mit neuen Videofeatures generieren will – und die Kamera im Kern bereits nahezu perfekt ist? Die Antwort darauf ist die neue Hasselblad X2D II. Und ich hatte die Möglichkeit, sie schon vor dem offiziellen Release auf Herz und Nieren zu testen.

Statt für diese Produktion in die Ferne zu reisen, habe ich mich im Sommer 2025 aufgemacht, um außergewöhnliche Architektur in unberührter Natur direkt vor meiner Haustür zu dokumentieren. In Mitteldeutschland fand ich genau das: vier beeindruckende Bauwerke, die mutiges Design mit landschaftlicher Stille verbinden. Mit dabei waren das Paläon und die Arche Nebra von Holzer Kobler Architekten, das ikonische Phaeno von Zaha Hadid Architects sowie die poetische Spiegelarche von Kathrin Siebert. Jedes dieser Gebäude erzählt seine ganz eigene Geschichte – und im warmen Licht eines langen Sommertags entfalteten sie ihre Wirkung vor meiner Kamera mit eindrucksvoller Eleganz. Es braucht nicht immer eine Fernreise, um Weltklasse-Architektur zu finden.

Was diese Serie besonders machte, war nicht nur die Architektur – sondern die neue technische Möglichkeit, die mir die X2D II erstmals bot: Die Kamera kann nun HDR-Bilder erzeugen, die auf modernen Bildschirmen eine ganz neue visuelle Tiefe erreichen. Leuchtende Glanzlichter, sattere Farben, mehr Plastizität im Spiel von Licht und Schatten – endlich kann man die Bildwirkung so zeigen, wie sie sonst nur vor Ort zu spüren ist. Erste Ergebnisse dieser Leuchtkraft sind bereits auf meinem Instagram-Kanal zu sehen. Diese Shootings waren für mich weit mehr als eine technische Übung. Sie waren eine Rückbesinnung auf das, was gute Fotografie leisten kann: Architektur nicht nur zu dokumentieren, sondern erlebbar zu machen – weit über ihren physischen Ort hinaus.

Im folgenden Video teile ich mit dir meine ersten Eindrücke zur neuen Hasselblad X2D II. Ich gehe auf die neuen Funktionen ein, zeige, was mich überrascht hat – und was nicht – und ziehe mein persönliches Fazit nach den ersten Wochen im Einsatz:

Erwartete Neuerungen der Hasselblad X2D II

Hasselblad hat auf seine Community gehört – und das merkt man. Mit der X2D II wurden nahezu alle oft genannten Wünsche aus der Nutzerbasis umgesetzt. Damit unterscheidet sich Hasselblad deutlich von vielen Mitbewerbern: Statt blind neuen Trends zu folgen, werden hier gezielt Funktionen ergänzt, die im Alltag wirklich einen Unterschied machen.

Endlich: ein Joystick!

Hasselblads erste spiegellose Kamera mit einem Joystick – für viele eine große Nachricht. Für mich persönlich war das Verschieben des Autofokuspunktes über den Touchscreen bisher völlig ausreichend. Aber nun ist er da, der kleine “Stick of Joy” – und ich muss zugeben: Ich nutze ihn inzwischen häufiger als gedacht.

Mit dem Joystick lässt sich nicht nur der Fokuspunkt verschieben, sondern auch der Bildausschnitt im Wiedergabemodus. Darüber hinaus kann man jetzt das komplette Menü der Kamera ohne Touchscreen bedienen – eine echte Erleichterung, vor allem im Winter mit Handschuhen.

Mehr Freiheit durch mehr Custom Buttons

Auch bei der Individualisierung hat sich einiges getan. Insgesamt 7 der 14 Tasten sowie 3 Einstellräder (inklusive des Custom Dials am Objektiv) lassen sich jetzt frei belegen – mit über 35 verschiedenen Funktionen. Das Objektiv-Wahlrad bietet bis zu fünf Belegungsmöglichkeiten, darunter etwa das Umschalten zwischen verschiedenen Fokuszielen bei der Gesichts- oder Personen-Erkennung.

Neu hinzugekommen ist außerdem ein zusätzlicher Button unter dem Joystick, und sowohl der Joystick selbst als auch das vordere Einstellrad lassen sich nun drücken und belegen. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Tasten für Auto Exposure Lock und den AF-D-Modus lassen sich nach wie vor nicht individuell belegen – schade, denn persönlich nutze ich diese beiden Funktionen kaum.

Auto-ISO im manuellen Modus.

Die X2D Mark II erlaubt es jetzt, die Belichtungszeit und Blende manuell festzulegen – und gleichzeitig die ISO-Wahl der Kamera zu überlassen. Gerade bei wechselnden Lichtverhältnissen ist das ein enormer Zugewinn an Flexibilität. Ein Feature, das viele Profis seit Jahren vermisst haben.

Wie ich meine Kamera eingerichtet habe

Wenn du wissen möchtest, wie ich meine X2D II für maximalen Komfort und ein schnelles Handling eingerichtet habe, empfehle ich dir meinen kompletten Setup-Guide für die X2D und X2D II, den du als digitalen Kurs auf meiner Website findest. Damit kannst du direkt mit deiner neuen Kamera durchstarten – ohne langes Ausprobieren und Suchen im Menü.

 

Paläon

Architekt Holzer Kobler | Baujahr 2013 | Typ Museum

Die fotografische Dokumentation des Paläon stellte mich vor einige Herausforderungen. Starker Wind trieb immer wieder dichte Wolken vor die tief stehende Nachmittagssonne. Auf ein 30-sekündiges Lichtfenster folgten 15 Minuten Schatten – ein Spiel aus Warten, Beobachten und Reagieren. Mein Fokus lag auf der spiegelnden Fassade, die das futuristisch anmutende Gebäude mit seiner Umgebung in einen spannenden Dialog setzt. Spiegelnde Materialien erfordern besondere Sorgfalt in der Bildkomposition: Es gilt nicht nur das Objekt an sich zu gestalten, sondern auch die Reflexionen gezielt zu kontrollieren – ohne störende Elemente im Bildausschnitt.

Um die Komposition lebendiger zu gestalten, experimentierte ich mit einer Mischung aus Langzeitbelichtung und Offenblende. Das sich im Wind bewegende Gras verschwimmt zu einer dynamischen Fläche, die einen spannenden Kontrast zu den klaren, scharfkantigen Linien der Architektur bildet. Nach Sonnenuntergang zeigte sich die neue Hasselblad X2D II von ihrer besten Seite: Dank des riesigen Sensors konnte ich jede einzelne Reflexion der Sterne sichtbar machen, die sich im dunklblauen Fassadenspiegel des Gebäudes vom Nachthimmel abheben.

Mehr Informationen zum Paläon

Das neue Display der Hasselblad X2D II

Ich liebe es, von oben auf das Display zu schauen – besonders bei bodennahen Architekturfotos. Beim Vorgängermodell jedoch blockierte der elektronische Sucher immer einen Teil des Bildschirms. Ein ständiger Frustmoment, der mich oft dazu brachte, das Display einfach eingeklappt zu lassen. (Eine „Dynamic Island“, die mir die Sicht versperrt – davon habe ich schon genug auf iPhone und MacBook.) Mit der X2D Mark II wurde dieser Designfehler endlich behoben. Das neue Display klappt weiter vom Gehäuse weg und lässt sich nun auch vollständig im 90°-Winkel nach oben stellen – das ergibt ein echtes digitales Waist-Level-Viewfinder-Erlebnis. Für mich persönlich ist das wahrscheinlich die wichtigste Verbesserung überhaupt. Zusätzlich lässt sich das Display jetzt auch um 45° nach unten neigen – ideal für Über-Kopf-Aufnahmen. Im eingeklappten Zustand wirkt es äußerlich fast identisch zum Vorgänger, auch der Klappmechanismus fühlt sich weiterhin hochwertig und robust an. Einziger kleiner Wermutstropfen: Die Neigung ins Hochformat fehlt noch – aber vielleicht kommt ja genau das mit der nächsten Generation: Hasselblad X3D? Der Name wäre zumindest vielversprechend.

Auch das Display selbst wurde komplett überarbeitet. Die Größe bleibt mit 3,6 Zoll und 2,36 MP Auflösung gleich, aber nun nutzt es den deutlich erweiterten DCI-P3 Farbraum, der in der Videoproduktion längst Standard ist. Die maximale Helligkeit liegt bei beeindruckenden 1400 Nits, das Kontrastverhältnis bei 2.000.000:1. Die Darstellung ist spürbar brillanter, Farben wirken satter, Schatten tiefer. Außerdem passt sich die Displayhelligkeit nun automatisch an das Umgebungslicht an – endlich. Warum man nicht gleich auf AdobeRGB gesetzt hat? Gute Frage… aber DCI-P3 liegt immerhin sehr nah dran.

Verbesserter Autofokus

Die Zahl der Phasendetektionspunkte wurde von 294 auf 425 erhöht. Neu ist außerdem, dass sich die Größe des Fokusfeldes frei wählen lässt – von klein über erweitert bis hin zu einer benutzerdefinierten Fläche. Letzteres habe ich in dieser Form noch bei keiner Kamera gesehen – ein spannendes Detail, das für Studio- und Produktfotografen sehr nützlich sein dürfte.

Noch wichtiger: Endlich gibt es nun auch einen kontinuierlichen Autofokus mit Subjekterkennung. Menschen, Tiere und Fahrzeuge werden nun erkannt und zuverlässig verfolgt. Für meine Architekturfotografie ist das weniger relevant – aber beim Test mit meinem Assistenten für ein Studio Portrait war ich ehrlich beeindruckt: Der Fokus klebt förmlich am Subjekt. Mein Eindruck: Hasselblad muss sich in diesem Punkt nicht mehr hinter Sony oder Canon verstecken. Die Integration eines LiDAR-Sensors dürfte hier eine entscheidende Rolle spielen – ebenso wie die Verbindung zu DJI. Zusätzlich unterstützt ein AF-Illuminator das Scharfstellen in dunklen Umgebungen. Wichtig zu wissen: Der neue AF-C-Modus funktioniert nur mit den modernsten Objektivserien – also V-Serie, E-Serie, 28P und 75P.

 

Spiegelarche

Architekt Kathrin Siebert | Baujahr 2023 | Typ Kunstinstallation

Der Drang den Menschen verspüren ihre Lebensraum durch Architektur zu gestalten fasziniert mich immer wieder. Die Spiegelarche ist ein rein privates Projekt, dass von Frau Siebert auf ihrem privaten Land geplant, gebaut und verwaltet wird. Die Arche dient als Begegnungsstätte, zur Kunstvermittlung und als Spiegel unserer Selbst und unserem Umgang mit der Natur und unseren Mitmenschen.

Während eines wundervollen Sonnenuntergangs umrundete ich das Gebäude, dass als Blickfang frei auf einem geernteten Weizenfeld steht und suchte nach den besten Blickwinkeln, welche die Architektur mit seiner Umgebung verschmelzen lassen. Spiegelnde Oberflächen lassen ein Gebäude lebendig werden und verändern es im Einklang mit dem Wetter immer wieder. So ist jede Aufnahme davon ein Unikat, die Manifestation eines sich niemals wiederholender Moments.

Mehr Informationen zur Architektur der Spiegelarche

Überraschende neue Funktionen der Hasselblad X2D II

Der neue HDR-Workflow

Hasselblad bewirbt die X2D Mark II als erste Mittelformatkamera mit einem echten End-to-End-HDR-Workflow. Aber Moment – HDR? Haben das nicht alle 16-Bit-RAW-Dateien ohnehin? Technisch gesehen: ja. Aber darum geht es hier nicht. Dieses neue Feature dreht sich nicht um den RAW-Workflow, sondern um die HDR-Ausgabe in den komprimierten Formaten JPEG (Ultra HDR) und HEIF. Und ich gebe zu: Sobald ich als Berufsfotograf das Wort “JPEG” höre, schaltet mein Gehirn normalerweise auf Standby. Ich nehme alle meine Bilder in RAW auf – also, was soll das?

Lass mich kurz ausholen: Vor ein paar Monaten war ich zu Gast bei einem Livetalk im Leica Store Hamburg. Dort wurde gefragt, wie viele der Anwesenden mit ihrer Kamera Geld verdienen. Im Raum saßen etwa 200 Personen – und nur rund 15 Hände gingen hoch. Ich vermute, bei Hasselblad sieht die Verteilung ähnlich aus. Und das bringt eine neue Perspektive mit sich: Solltest du als Amateur komprimierte Formate wie JPEG oder HEIF nutzen?

Aus persönlicher Erfahrung: Unbedingt! Wenn ich im Urlaub fotografiere, möchten Familie und Freunde daheim am liebsten noch am selben Abend ein paar Bilder sehen. Und um beim Abendessen nicht 50 RAW-Dateien in Phocus Mobile zu entwickeln, nutze ich einfach die kleineren HEIFs. Einmal kurz auf „Auto-Verbessern“ in Apple Photos gedrückt – fertig.

Und genau hier wird das neue HDR-Feature plötzlich richtig sinnvoll. Diese JPEGs und HEIFs sehen auf modernen HDR-Bildschirmen – etwa auf iPhones, iPads oder MacBooks – fantastisch aus: mit mehr Tiefe, mehr Leuchtkraft, stärkerem Kontrast. Wer also seine Bilder nicht nur drucken, sondern auch digital zeigen möchte, bekommt mit der X2D II eine neue Qualitätsschicht geschenkt.

Verbesserter IBIS

Jetzt mal ganz unter uns – hat jemand bei Hasselblad wirklich gesagt: „Also ehrlich Leute, 7 Stops Bildstabilisierung reichen mir nicht. Ich will 3 Sekunden aus der Hand belichten können!” Wer auch immer das war – Challenge accepted! Die X2D II bietet nun unglaubliche 10 Stops IBIS. Damit hat Hasselblad offiziell das Stativ in Rente geschickt – oder zumindest wackelig werden lassen. In ersten Tests mit dem neuen XCD 38–100 mm E konnte ich bereits bestätigen: Bei 38 mm bis 100mm sind Belichtungszeiten von bis zu 0,5 Sekunden machbar – zumindest mit ruhiger Hand. Und selbst bei windigem Wetter auf dem Stativ kann die Stabilisierung helfen, unerwünschte Mikrobewegungen auszugleichen. Trotzdem bleibe ich ein treuer Nutzer meines Dreibeins – aber die Möglichkeiten wachsen. Vielleicht wurde die IBIS-Leistung auch deshalb erweitert, weil der Basis-ISO-Wert nochmals um eine Drittelstufe auf ISO 50 reduziert wurde. Das ist – neben dem Phase One IQ4 – der aktuell niedrigste Basis-ISO aller Kamerahersteller. Besonders bei Sonnenlicht und offener Blende ist das ein echter Vorteil: mehr Freiraum fürs Bokeh, ohne an die Verschlusszeitgrenze zu stoßen.

Marktführender Dynamikumfang

Mit nun 15,3 Blendenstufen ist die X2D II laut Datenblatt der neue Champion unter den Fotokameras – etwa eine Drittelstufe mehr als der Vorgänger und ein damit ein Vorsprung gegenüber der Konkurrenz von Fujifilm. Ob das in der Praxis sichtbar ist? Darüber sollen andere Tester philosophieren – ich kann nur sagen: Die Dateien sind extrem belastbar, gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen.

Und wo Licht ist, da ist auch… nun ja, eine kleine Schattenseite: Die Serienbildgeschwindigkeit wurde von 3,3 fps auf 3,0 fps reduziert. Damit dürfte die X2D II wohl die langsamste moderne Kamera auf dem Markt sein. Für mich persönlich ist das jedoch irrelevant – meine Motive laufen nicht weg. Und wenn doch, helfen Fokus und Bildkomposition mehr als ein halber Frame pro Sekunde extra.

 

Phaeno

Architekt Zaha Hadid | Baujahr 2005 | Typ Museum

Auch wenn das Phaeno in Wolfsburg nicht ganz die Projektbeschreibung von moderner Architektur in natürlicher Umgebung erfüllt, kam ich nicht umher einige Aufnahmen von diesem grandiosen Bauwerk in der Abenddämmerung zu erstellen. Die einzigartige Formsprache von Zaha Hadid, die ich schon in mehreren Projekten dokumentieren durfte, sticht auch hier direkt ins Auge. So verschmelzen die Säulen mit der Decke durch weiche Übergänge, während die gezackte Dachkante des Gebäudes scharf durch den Himmel schneidet. Bahnstation, Parkhaus, Museum und Begegnungsort verschmelzen zu einer futuristisch anmutenden Gestalt, die direkt aus dem Universum des Blade Runner Cyberpunks entstanden sein könnte. Die komprimierten Bilder hier in der Galerie sind kaum eine Referenz für die unglaubliche Farbtiefe, welche die Hasselblad X2D II von der bunt bestrahlten Fassade im schimmernden Abendlicht aufzunehmen zu vermochte. Intensives rot trifft auf grelles magenta, grün und blau, während die untergehende Sonne und Innenbeleuchtung gegen die dunklen Schatten der Fassade kämpfen. Es gibt kaum ein schwierigeres Motiv auf ein Bild zu bannen, aber besonders im neuen HDR Modus der Kamera überzeugt mich jeder einzelne Pixel.

Mehr Informationen zur Architektur des Phaeno

Überraschende neue Funktionen der Hasselblad X2D II

Der neue HDR-Workflow

Hasselblad bewirbt die X2D Mark II als erste Mittelformatkamera mit einem echten End-to-End-HDR-Workflow. Aber Moment – HDR? Haben das nicht alle 16-Bit-RAW-Dateien ohnehin? Technisch gesehen: ja. Aber genau darum geht es hier nicht. Dieses neue Feature dreht sich nicht um den RAW-Workflow, sondern um die HDR-Ausgabe in den komprimierten Formaten JPEG (Ultra HDR) und HEIF. Und ich gebe zu: Sobald ich als Berufsfotograf das Wort “JPEG” höre, schaltet mein Gehirn normalerweise auf Standby. Ich nehme alle meine Bilder in RAW auf – also, was soll das?

Lass mich kurz ausholen: Vor ein paar Monaten war ich zu Gast bei einem Livetalk im Leica Store Hamburg. Dort wurde gefragt, wie viele der Anwesenden mit ihrer Kamera Geld verdienen. Im Raum saßen etwa 200 Personen – und nur rund 15 Hände gingen hoch. Ich vermute, bei Hasselblad sieht die Verteilung ähnlich aus. Und das bringt eine neue Perspektive mit sich: Solltest du als Amateur komprimierte Formate wie JPEG oder HEIF nutzen?

Aus persönlicher Erfahrung: Unbedingt! Wenn ich im Urlaub fotografiere, möchten Familie und Freunde daheim am liebsten noch am selben Abend ein paar Bilder sehen. Und um beim Abendessen nicht 50 RAW-Dateien in Phocus Mobile zu entwickeln, nutze ich einfach die kleineren JPEGs. Einmal kurz auf „Auto-Verbessern“ in Apple Photos gedrückt – fertig.

Und genau hier wird das neue HDR-Feature plötzlich richtig sinnvoll. Diese JPEGs und HEIFs sehen auf modernen HDR-Bildschirmen – etwa auf iPhones, iPads oder MacBooks – fantastisch aus: mit mehr Tiefe, mehr Leuchtkraft, stärkerem Kontrast. Wer also seine Bilder nicht nur drucken, sondern auch digital zeigen möchte, bekommt mit der X2D II eine neue Qualitätsschicht geschenkt.

Verbesserter IBIS

Jetzt mal ganz unter uns – hat jemand bei Hasselblad wirklich gesagt: „Also ehrlich Leute, 7 Stops Bildstabilisierung reichen mir nicht. Ich will 3 Sekunden aus der Hand belichten können!” Wer auch immer das war – Challenge accepted! Die X2D II bietet nun unglaubliche 10 Stops IBIS. Damit hat Hasselblad offiziell das Stativ in Rente geschickt – oder zumindest wackelig werden lassen. Die Beispielbilder in den offiziellen Reels, die vollständig aus der Hand aufgenommen wurden? Endlich scharf bis in die Ecken. In ersten Tests mit dem neuen XCD 38–100 mm konnte ich bereits bestätigen: Bei 38 mm bis 100mm sind Belichtungszeiten von bis zu 0,5 Sekunden machbar – zumindest mit ruhiger Hand. Und selbst bei windigem Wetter auf dem Stativ kann die Stabilisierung helfen, unerwünschte Mikrobewegungen auszugleichen. Trotzdem bleibe ich Fan meines Dreibeins – aber die Möglichkeiten wachsen. Möglicherweise wurde die IBIS-Leistung auch deshalb erweitert, weil der Basis-ISO-Wert nochmals um eine Drittelstufe auf ISO 50 reduziert wurde. Das ist – neben dem Phase One IQ4 – der aktuell niedrigste Basis-ISO aller Kamerahersteller. Besonders bei Sonnenlicht und offener Blende ist das ein echter Vorteil: mehr Freiraum fürs Bokeh, ohne an die Verschlusszeitgrenze zu stoßen.

 

Arche Nebra

Architekt Holzer Kobler | Baujahr 2007 | Typ Museum

Mit der Arche Nebra habe ich schon eine längere Verbindung. Vor einigen Jahren nahm ich hier über 8h hinweg eine nächtliche Langzeitbelichtung auf, in der man die Bewegung der Sterne beobachten konnte. Dieses Mal stand die gesamte Erlebniswelt rund um den Fundort der berühmten Himmelsscheibe von Nebra im Vordergrund. Direkt neben der Arche hat gerade ein neuer Spielplatz eröffnet, der wie die Kommandozentrale eines Raumschiffs aussieht. Auf meiner 30 minütigen Wanderung durch den dunklen Wald kam ich an verschiedenen Observationspunkten vorbei, die sich nur durch eine spezielle Beleuchtungsmethode aus ihrer schwarzen Umgebung herausarbeiten ließen. Es war ein beeindruckender Prozess, wie plötzlich das grün der Blätter intensiv erstrahlte - eine Sichtweise auf unsere Welt, die nur in der Fotografie möglich ist.

Mehr Informationen zur Architektur der Arche Nebra

Mein Fazit zur Hasselblad X2D II

Trotz aller Verbesserungen hat Hasselblad leider nicht alle meiner Wünsche erfüllt: Ich vermisse nach wie vor einen echten Schwarzweiß-Modus als kreative Alternative zur – zugegeben wunderschönen – Hasselblad Natural Color Solution. Auch ein schwenkbares Display für Hochformataufnahmen wäre ein echter Zugewinn. Ein weiterer Punkt: Ich würde mir eine Option für kleinere RAWs oder HEIFs mit reduzierter Auflösung wünschen. Denn nicht jedes Bild muss 200 MB groß sein – gerade im privaten Bereich wäre etwas mehr Flexibilität beim Dateiformat wünschenswert. Und dann ist da noch der Dauerbrenner: Keine Unterstützung für Capture One, mein bevorzugtes Bearbeitungsprogramm seit Jahren.

Was bedeuten all diese Upgrades also konkret – für dich und für mich? Die Antwort auf die eingangs gestellte Frage „Können reine Fotokameras 2025 noch weiterentwickelt werden?“ lautet ganz klar: Ja! Die X2D Mark II ist kein radikaler Technologiesprung, sondern eine konsequente Weiterentwicklung – eine Kamera, die auf Nutzerfeedback hört und dort optimiert, wo es zählt. Die ursprüngliche X2D war bereits ein durchdachtes Werkzeug mit ikonischem Design und exzellenter Bildqualität. Mit der X2D II hat Hasselblad die User Experience noch einmal deutlich verbessert. Funktionen wie der neue Joystick, das vollständig klappbare Display, Auto-ISO im manuellen Modus oder der kontinuierliche Autofokus mit Subject Detection machen die Kamera noch intuitiver – gerade bei dynamischen Motiven wie Menschen, Tieren oder Fahrzeugen. Für mich als Architekturfotograf sind das schöne Komfortfunktionen, aber kein zwingender Grund für ein Upgrade. Wer jedoch regelmäßig mit bewegten Motiven arbeitet, findet hier einen echten Mehrwert.

Wenn du noch einen direkten Vergleich zwischen der X2D Mark II und ihrem Vorgängermodell suchst – oder ein ausführliches Review zum neuen Hasselblad XCD 35–100 mm E Zoom-Objektiv – dann abonniere jetzt meinen YouTube-Kanal und lass mir ein Like da. Die Videos sind bereits in Arbeit.

Zum Abschluss möchte ich dich noch einmal mitnehmen zu den Orten, an denen ich die neue X2D Mark II auf Herz und Nieren getestet habe. Das Paläon, die Arche Nebra, die Spiegelarche und das Phaeno sind nicht nur fotogene Ikonen moderner Baukunst – sie sind auch öffentlich zugänglich und definitiv einen Besuch wert. Diese architektonischen Highlights inmitten der Natur Mitteldeutschlands zeigen eindrucksvoll, wie Architektur und Landschaft miteinander in Dialog treten können. Moderne Architektur auf dem Land ist für mich eine der schönsten Formen gelebter Nachhaltigkeit – und zugleich das perfekte Ziel für den nächsten Kurzurlaub oder Wochenendausflug.

Wenn du selbst ein Projekt betreust, das dokumentiert werden soll – sei es ein kultureller Neubau, ein Hotelprojekt, ein öffentlicher Raum oder eine innovative Industriearchitektur – dann schreib mir gern eine Anfrage per Mail an info@albrechtvoss.com. Gemeinsam entwickeln wir eine individuelle Fotoproduktion, die dein Bauwerk in seiner ganzen gestalterischen Qualität sichtbar macht – und mit ausdrucksstarken Bildern ein internationales Publikum anspricht, das Architektur lebt und liebt.

Ausrüstung

Kamera

1. Objektiv

2. Objektiv

Stativ

Software

Albrecht Voss Architekturfotograf in den Alpen

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