Luftbildaufnahmen mit Drohnen sind seit Jahren in aller Munde. Die meisten meiner Kunden schwanken zwischen großem Interesse an den neuen Aufnahmemöglichkeiten und großen Ängsten was die Rechtssicherheit angeht. Deshalb beleuchte ich hiermit einige Aspekte die man als Kunde bedenken sollte.

Eine neue Perspektive?

Grundsätzlich waren alle Aufnahmewinkel, die sich mit einer Drohne ergeben auch schon vor deren Erfindung möglich. Ich unterscheide Drohnenbilder in zwei Kategorien: Top-Down (oder auch Satellitenansicht) und High-Up. 

Top-Down-Ansichten sind sehr grafische Bilder. Durch den Blick direkt von oben verschwindet die Perspektive. Alle Formen werden zweidimensional dargestellt und der Fokus fällt stark auf Formen und Texturen. Besonders Grafiker lieben diese Darstellung, da sie sich super zum Layouten als Hintergrund eignet. Diese Bilder wurden vor der Drohnenzeit aus Helikoptern aufgenommen. Im Unterschied zu einer Drohne fliegt dieser mindestens 300m über dem Boden (Drohnen sind in Deutschland auf 100m Höhe begrenzt) und hat damit einen deutlich größeren Abstand zum Objekt was den 2-D Effekt noch verstärkt. Im Helikopter kann der Fotograf hochauflösende Kameras mit unterschiedlichen Objektiven nutzen und produziert damit qualitativere Aufnahmen als mit einer Drohne. Dafür kostet die halbe Flugstunde oft 2000€ aufwärts nur für den Heli.

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Mit einer Drohne kann ich die gleichen Perspektiven mit einigen Erleichterungen erstellen, aber dazu gleich mehr. Bei High-Up-Bildern gilt zu beachten, dass höher nicht immer besser ist. Oft reichen ein paar Meter über dem Boden um über Autos, Menschen und Begrünung hinweg zu sehen, die sonst den klaren Blick auf ein Haus versperren. Aufnahmen aus größerer Höhe eignen sich hingegen um das Objekt mit seiner baulichen Umgebung zu verknüpfen indem man markante Objekte in das Bild integriert.

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High-Up-Bilder haben alle Charakteristiken eines klassischen Fotos. Sie Zeigen das Gebäude aus einer Frontalansicht und kommen unserer klassischen Sehgewonheit näher. Für Bilder aus größerer Höhe auf ein Haus habe ich vor der Drohnenzeit ausschließlich auf die Nachbarbebauung zugegriffen. Während meiner aktiven Zeit bei der BILD war es meine Aufgabe die Stadt Leipzig aus einer neuen Sicht zu fotografieren. Dafür stand ich auf unzähligen Hausdächern bei jeder Tages- und Nachtzeit um Bilder zu fotografieren, die man als Fußgänger niemals sieht. Das war nicht immer einfach. Genehmigungen müssen eingeholt und Öffnungszeiten beachtet werden. Oft bekam ich Zugang durch Privatwohnungen. Hier war es eine Glücksache ob der Mieter gerade zuhause war, wenn ich klingelte. Außerdem steht nicht an jeder Ecke ein Hochhaus mit der perfekten Aussicht. 

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Mehr Flexibilität

Drohnen bedeuten für mich als Fotograf vor allem Freiheit. Unabhängig von den Bedingungen vor Ort kann ich meine Kamera im dreidimensionalen Raum genau da platzieren wo die Bildkomposition am besten ist. Es gibt keine Einschränkungen mehr durch feste Aufnahmeorte von den benachbarten Gebäuden und keine Verhandlungen mit Eigentümern. Diese Freiheit der Positionierung sorgt für einzigartige Perspektiven und macht den großen Charme der Luftbildfotografie aus.

Außerdem habe ich die Möglichkeit während einer Akkuladung von ca. 25 Minuten die gesamte Umgebung um das Objekt zu scouten und gleich im Anschluss verschiedene Perspektiven um das gesamte Gebäude herum zu fotografieren. Eine Aufgabe die früher mehrer Stunden Arbeit und hunderte Treppenstufen bedeutet hat. Auch für Videoproduktionen ergeben sich vorher unmögliche Aufnahmewinkel und -bewegungen. Ein Rundflug um das Objekt oder ein dynamischer Aufstieg von Bodenhöhe bis zum Dach des Gebäudes sind tolle Möglichkeiten ein Haus ganz neu darzustellen. Aber da ist ein Thema für einen anderen Beitrag.

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Eine Frage der Rechte

Hier kommen oft die Bedenken meiner Kunden auf. Welche Gesetze muss ich bei Drohnenaufnahmen beachten? Wie sieht es mit dem Überflug von Nachbargrundstücken aus? Was ist mit den Persönlichkeitsrechten von Menschen im Bild? Für solche Fragen stehe ich meinen Kunden natürlich immer beratend zur Seite.

Der deutsche Gesetzgeber hat sich über Drohnenregulierungen in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht und einen rechtlichen Rahmen geschaffen. Mit einer Drohne bis 2 Kilogramm Gewicht ergeben sich daraus folgende Einschränkungen:

  • Maximal 100m Flughöhe über Grund
  • Generelles Nachtflugverbot
  • Abstand halten zu:
    • Wohngrundstücken
    • Naturschutzgebieten
    • 1,5 km Abstand zu Flugplätzen
    • Menschenansammlungen
    • Hauptverkehrsstraßen
    • Bundeswasserstraßen
    • Bahnanlagen
    • Militärischen Anlagen
    • Einsatzorten von Behörden
    • Industrieanlagen
    • Justitzgebäuden

Zusätzlich verpflichte ich mich als Drohnenpilot zu folgenden Punkten:

  • Ich habe eine Drohnen-Haftpflichtversicherung für Sach- und Personenschäden abgeschlossen
  • Ich kennzeichne meine Drohne durch eine feuerfeste Plakette, mit der sich der Halter eindeutig identifizieren lässt
  • Ich informiere mich vor Abflug über die Regulierungen des aktuellen Flugraumes

Einen Drohnenführerschein benötige ich für Drohnen bis 2 Kg Gewicht übrigens nicht. Eine intensive Auseinandersetzung mit Regulierungen und der Bedienung des Fluggerätes sind dennoch unabdingbar um für sich, seinen Kunden und seine Umgebung eine sichere Fotoproduktion zu gewährleisten.

Diese Liste an Verboten schränkt die Nutzungsmöglichkeiten von Drohnen auf den ersten Blick deutlich ein. In der Praxis zeigen die öffentlichen Behörden erfreulicher Weise meist eine gute Kompromissbereitschaft. Mit einer Vorbereitungszeit von mindestens 14 Tagen vor der Aufnahme kann man Sondergenehmigungen beantragen die für mehrere Wochen besondere Flugerlaubnisse gestatten. Meist werden Auflagen erteilt, dass man Hauptverkehrswege nicht überfliegen darf und bestimmte Anwohner über den anstehen Flug zu informieren hat. Dann spricht auch nichts gegen einen Flug in innerstädtischen Lagen. Auch die Tageszeit bei der Aufnahme wirkt sich auf Genehmigungen aus. Am frühen Morgen ist nicht nur das Kicht vorteilhaft für die Bilder. Die meisten öffentlichen Plätze und Straßen sind noch nicht belebt und ermöglichen so einen rechtskonformen Überflug.

In der Realität sieht man einen sehr gemischten Umgang mit den Vorschriften. Ein gutes Beispiel ist ein Video, dass die Stadt Leipzig vor einiger Zeit zur Werbung genutzt hat. Hier fliegt eine Drohne zur Dämmerung (Nachtflugverbot) über den Ring (Flugverbot über Hauptverkehrsstraßen) und die Innenstadt (Flugverbot über Menschenmengen) und verstößt damit gleich gegen drei Gesetze in einem Clip. Das hielt die Stadt nicht ab damit öffentlich für sich zu werben.

Ich denke als Pilot ist es unsere Aufgabe verantwortungsvoll mit der jeweiligen Situation verantwortungsvoll umzugehen und oberste Priorität auf die Sicherheit aller Beteiligten zu legen. 

Mit einer guten Wahl des Aufstiegsortes und der Tageszeit können viele Gesetze eingehalten werden. Oft ergeben sich durch einen kreativen Umgang mit den Einschränkungen ganz besondere Bildergebnisse. Das bringt mich auch zum nächsten Punkt dieses Beitrages.

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Weitere Herausforderungen

Ein Drohnenflug bringt neben gesetzlichen Regulierungen einige weitere Einschränkungen mit sich. 

So kann die Drohne nur bis zu einer bestimmten Windgeschwindigkeit genutzt werden. Bei Böhen über 30km/h fliege ich nur noch unter Vorbehalt und extrem vorsichtig, da die Drohne nur bedingt den Windkräften entgegenwirken kann. 

Für die Funktionsfähigkeit der Akkus spielt die Temperatur eine wichtige Rolle. Der Akku wird bei 25°C betrieben und muss von der Drohne vor dem Start auf die richtige Temperatur gebracht werden. Das kann bei schlechter Vorbereitung einen Großteil der Flugzeit kosten. Temperaturen in den Minusgraden verkürzen außerdem die Akkulaufzeit der Drohne und der Fernbedienung erheblich.

Die Drohne kann bei leichtem Regen fliegen, da die Rotoren einen Großteil des Wassers wegpusten. Jedoch gelangen oft einge Tropfen auf die Linse der Kamera und sorgen damit für Flecken auf dem Bild.

Besonders bei innerstädtischen Flügen gibt es oft Inteferenzwarnungen beim Funksignal durch das die Drohne mit der Fernbedienung kommuniziert. Werden die Inteferenzen zu stark, kann die Verbindung zur Drohne verloren gehen, was unbedingt zu vermeiden ist.

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Good to know

Die Kamerastabilisierungen in den neusten Drohnen ist so stark, dass die Kamera Langzeitbelichtungen von mehreren Sekunden bei Windstille produzieren kann. Wer schonmal versucht hat so eine Aufnahme aus der eigenen Hand heraus zu fotografieren, wird wissen, was das für eine Herausforderung ist.

Die größte Sorge die ich von Anwohnern bei Fotoproduktionen zu hören bekomme ist: „Da können Sie mir ja jetzt in die ganze Wohnung schauen.“ Die Angst kann ich den Menschen sehr schnell nehmen, indem ich ihnen eines der Bilder der Drohne zeige. Die Kontrastverhältnisse zwischen der hellen, von der Sonne beschienenen, Außenansichten eines Gebäudes und den dunklen Innenräumen ist so groß, dass man auf dem Bild nicht durch die Fenster schauen kann. Sollte sich die hübsche Nachbarin während der Aufnahme auf dem Liegestuhl des Nebengrunstücks in der Sonne räkeln, helfen meist ein paar Klicks in Photoshop um sie zu aus dem Bild zu retuschieren um alle Beteiligten zufrieden zu stellen.

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Fazit

Drohnen bieten uns in der Contentproduktion eine tolle Ergänzung zu klassischen Aufnahmemöglichkeiten, lösen diese aber keineswegs ab. Bei den meisten Aufträgen in der Architekturfotografie setze ich eine Drohne ein um zusätzliche, einzigartige Bilder zu produzieren, die bei meinen Kunden oft auf großen Zuspruch treffen. 

Es liegt im Ermessen meiner Kunden und mir zu entscheiden, wie wir mit rechtlichen und sicherheitsrelevanten Einschränkungen umgehen. Hier ist beidseitiges Verständnis und eine Kompromissbereitschaft wichtig um eine sichere Produktion zu gewährleisten. Das Ergebnis ist meistens eine überaus angemessene Belohnung für den Mehraufwand in der Vorbereitung.


Zum Fotoshooting

Kunde: Atelier 8
Art: Referenzfotos
Location: Studio Muc
Ort: München (Bayern), Deutschland